Wie werden Architekt & Innenarchitekt eigentlich wahrgenommen?
Heute geht’s um Zahlen, Daten, Fakten zur Wahrnehmung von Architekt & Innenarchitekt.
Quellen nenne ich auf Anfrage gern.
Zwei Wege meiner Recherche
Weil es kaum passende Umfragen/Kennzahlen zur Wahrnehmung der Berufe gibt, bin ich zweigleisig vorgegangen.
- Weg 1: Bestehende Quellen → Struktur & Verteilung von Innenarchitekt:innen
- Weg 2: Keine passenden Umfragen gefunden → Mini-Umfrage gestartet➡️ Nicht repräsentativ – aber ein kurzer Einblick in eine Richtung.
Weg 1: Fakten zur Struktur
- Grundsatz: Wir verbringen knapp 90 % unseres Lebens in Innenräumen.
- Bei Planung denken viele dennoch zuerst an Gebäude, Bauantrag, Architekt.
• 83 %: Innenräume stehen im Fokus
• 19 %: dafür werden Planungsdienstleistungen von Fachleuten hinzugezogen
• Badrenovierung (2021, Covid-19!): ca. 19.000 € → teuerstes & beliebtestes Zimmer
Danach: Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Eingangsbereich/Flur
Kammerdaten: „Faktor 4“ wird zu „Faktor 19“
Ich habe den Anteil „fertiger“ (kammerakkreditierter) Innenarchitekt:innen vs. Architekt:innen untersucht, um zu prüfen, ob sich die 4× höhere Hochschulverfügbarkeit später ähnlich im Berufsleben zeigt.
- Datenquellen: Architektenkammern Berlin, Baden-Württemberg, NRW
- Vorgehen: Erfassung & Strukturierung (Software) + händische Auswertung
- Umfang: ca. 55.000 Datensätze
• Faktor 4 (Hochschulen) verstärkt sich später exponentiell
• Ø nur 5 % der Kammermitglieder sind Innenarchitekt:innen → Faktor 19
• Frauenanteil: insgesamt ca. 1/3, bei Innenarchitekt:innen ≈ 2/3
Gegencheck: Heinze.de
Als zweite Datenrecherche habe ich Heinze.de ausgewertet: 5,24 % (Filter „Innenarchitekturbüro“) – passt sehr gut zu den Kammerwerten.
⚠️ Es gibt keinen belastbaren KPI, der die Wahrnehmung der Tätigkeit & des Standes von Innenarchitekt:innen objektiv erfasst. KPI-Idee ist notiert → mehr dazu in Folge #4.
- Umfrage: 140 Antworten (Netzwerk, Vorweihnachtszeit)
- Ziel: Wie wird „Innenarchitekt“ außerhalb der Bau-Branche subjektiv wahrgenommen?
Ergänzt, um die Unterscheidung zu testen:
- Interior Designer: nicht geschützt, breites Feld von Deko bis Planung
- Einrichtungsfachberater: eher Produkt-/Möbelplanung im Handel
- Raumausstatter: Ausbildungsberuf (Meister), hohe Ausführungskompetenz
Was dabei herauskam (und mich überrascht hat)
- Status: Innenarchitekt ähnlich wie Architekt – Architekt liegt bei Befugnissen leicht vorne und bekommt mehr Praxis zugeschrieben.Eigentlich müsste man denken: Architekt = „Theorie & Antrag“, Innenarchitekt = „Kissen & Farben“ (überspitzt ?).
- Praxis & Nutzen: Berufsbilder werden oft nicht sicher unterschieden – die Anteile ähneln sich stark.Realistisch: Raumausstatter wohl am praktischsten, Einrichtungsfachberater am wenigsten auf Baustellen.
- Wortwirkung: „Interior Designer“ wird teils mehr Eingriff zugetraut als Einrichtungsfachberater + Raumausstatter zusammen.Liegt’s an der modernen Begrifflichkeit – oder an meinem global/offen denkenden Netzwerk? ?
Kurzfazit dieser Folge
- Desk Research: Quellen gesichtet & zusammengeführt
- Kernarbeit: Kammerdaten erfasst & geprüft (~55.000 Datensätze) + ✅ Gegencheck über Heinze.de
- Ergebnis: Innenarchitekt:innen nur ~5 % → Faktor 4 potenziert sich zu Faktor 19
- Umfrage: Rollen oft unscharf – „Interior Designer“ wirkt subjektiv „mächtiger“ ✨
Auch wenn sich statistisch (noch) wenig bewegt: Innenarchitekt:innen müssen ihre Kompetenz klar, fundiert und sichtbar repräsentieren.
Was halten Sie von den Ergebnissen? Haben Sie andere Erfahrungen gemacht? ➜ Schreiben Sie’s gern in die Kommentare – mich interessiert das brennend!
⏭️ 08.01.2026: Folge #4 „Lobby mit Lampe“ ?